Drei Zinnen 2.999m    
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Klettern an zwei von den Drei Zinnnen 2998 m

von Andreas Fiedler 2000


"Misurina la perla delle Dolomiti la fiabesca atmosfera che si respira parte dal cuore elle Dolomiti ........ " Ja, es geht um die Dolomiten und ganz ehrlich, so gut italienisch kann ich nicht."

"Glasklare Luft, Bilderbuchatmosphäre und die Hochgebirgswelt der Dolomiten," so die Übersetzung, aber "bella Italia - schönes Italien", das kann ich schreiben und auch bestätigen. Natürlich ist dort, wo viel Licht und Schönheit ist, auch Schatten. Denn nur einen Steinwurf weg von den 3 Zinnen gibt es noch viele Zeitzeugen aus dem 1. Weltkrieg - Unterstände, Bunker, Lazarette, Kanonen - und auch von den 3 Zinnen soll mit einer Kanone (in Einzelteilen nach oben befördert) damals ins Land geschossen worden sein. Behalten wir dies in Erinnerung mit den Gedanken - nie wieder! Zum Glück dominiert jetzt aber das Licht hier.

Von der Schönheit der Dolomiten zu schreiben, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Ich denke, dass sie ein besonderes Stück Erde sind, hat sich auch bis in den Südharz herumgesprochen. Also dann....., "Schule vorbei, Berufszulassung in der Hand - erst mal Urlaub machen, klingt wie von einem 18 jährigen. Aber es sind heute andere Zeiten und ich habe dies als 48 jähriger nochmals erlebt."


Urlaub - 1 Woche, klettern, okay 4 Männer sind sich einig, das machen wir und zwar in den Dolomiten. Das Gebiet der 3 Zinnen kannten wir schon von einer früheren Tour - da war die kleine Zinne unser Ziel - , diesmal wollten wir auf die Große.

Also Sachen packen - Zelt, Schlafsack - und los ging es früh um 6.30 Uhr. Regen, kühl und das im August - aber es war ja noch weit und am Ziel kann das Wetter ja ganz anders sein. Am späten Nachmittag sind wir nach einen kleinen Brennerpaßstau über Cortina d´ Ampezzo auf dem Zeltplatz in Misurina angekommen. Dort waren einige Tschechen (weil es preiswert ist), ein paar Österreicher (weil es gut zum Radfahren ist) und auch ein paar Einheimische (weil Schulferien waren).

Das Wetter - nun wie sagt man da: "Alles möglich" - so war es dann auch. Dienstag, Sonne + Wolken, also auf zum Torre Wundt (Südwand Mazzorana) zum Einklettern und die Schwierigkeit 4 war mit unseren beiden 2-er Seilschaften ein Genuss, auch wenn die Finger am Anfang etwas klamm waren und zwischendrin 2 Holländer - ja richtig, die klettern auch - etwas wild im Weg herum gesprungen sind.


Wir hatten nach 7 Seillängen vom Gipfel eine herrliche Aussicht, auf die 3 Zinnen und noch vor dem Abstieg stand fest: Morgen ist die Große Zinne dran - und wenn das Wetter wieder mitspielt, stehen wir dann auf 2998 m hohen Fels und.... aber erst mal abseilen vom Torre Wundt, dann zum Zeltplatz, Essen

So früh deshalb, weil wir durch eine Mautstelle mussten, die aus der Erfahrung unserer kleinen Zinne - Tour so früh noch nicht besetzt war und wir so 30,- DM sparen wollten. Wir sind auch gut durch die Schranke gekommen, aber erstens kommt es anders und..... als wir oben auf dem Parkplatz waren, und noch ein Schluck Frühstückstee tranken, kam der Kontrolleur hochgefahren und da nur 3 - 4 Autos oben waren, mussten wir als leichte Beute doch zahlen.


Also dann ausgetrunken, Kletterrucksack auf und los - gut 2 Stunden später waren wir am Einstieg der Schlucht zwischen kleiner und großer Scharte. Das Wetter hielt noch und vor uns war ein Bergführer mit einem deutschen Ehepaar, das auch die Normalroute nehmen wollte. Die Schwierigkeit von III, teils auch II sollte aber nicht unterschätzt werden und die 4 Std. laut Kletterführer haben wir nicht einhalten können. Die 12 Seillängen waren nicht der Grund. Die Schwierigkeiten, zu Beginn ohne Seil, dann IIIer Scharten, Kamine und Bänder waren nicht das Problem, aber die Orientierung am an sich markierten Weg war teilweise sehr schlecht. Wir hatten den Eindruck, daß die Markierung zum Teil grau übermalt worden war und bei Wolkenschwaden und mäßiger Sicht manchmal zu einem "Versteiger" führte, da oft schwer zu erkennen.


Übrigens als wir am nächsten Tag in Misurina (der einzige Regentag zum Postkartenschreiben) unseren Bergführer vom Einstieg als Sportartikelverkäufer wiedersahen und darauf hin ansprachen, zeigte sein breites Grinsen, dss wir richtig lagen mit unserer Vermutung. Das Gipfelkreuz hatten wir dennoch erreicht, nur diesmal in Wolken, so dass es beim Gipfelschluck und Foto blieb.

Wir trösteten uns damit, daß wir ja gestern gute Sicht hatten und es auch noch nicht regnete - so genügsam kann man werden. Da war noch etwas: 2 Seillängen unter dem Gipfel kam uns ein Trio mit Hans Kammerlander entgegen und ... die hatten auch keine bessere Sicht.


Beim Abstieg gab es ab und an eine kleines Wolkenloch und kurz vorm Ende des Abstieges Hagel und im Nu sah es aus wie im Winter. Zum Rifugio ging es dann im Regen rein ins Auto und runter zum Zeltplatz. Kurz umgezogen ging es im kleinen Biertrinkeranzug in das Restaurante "ALLA BAITA" - Zum Wohl - "Bella Italia".

Die kleine und große Zinne haben wir erklommen, bleibt nur noch eine, denn es heißt ja DREI ZINNEN - also vielleicht bald auf ein Neues.