NP Gran Paradiso: la Tresenta 3600 m   Ciarforon 3642 m di Monciair 3544 m    
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Bergtouren im Aostatal - Besteigung des Gran Paradiso 4061 m

von Herbert Buchholz und Dieter Quast 2011



Die Bergfreunde Birgit, Dieter, Harry, Herbert, 2x Jürgen, Lutz, Manfred und Steffen vom Alpenverein Nordhausen hatten in diesem Jahr das Aostatal für ihre Bergtouren gewählt. Unbestritten gehört das Aostatal zu den schönsten Gegenden der Alpen. Es ist umgeben von den höchsten Bergen Europas, wie dem Mont Blanc 4807 m, dem Matterhorn 4478 m, den 4000er Gipfeln des Monte Rosa und dem Gran Paradiso mit 4061 m.

Im Aostatal, der kleinsten und autonomen Region Italiens, leben 127.000 Einwohner. Amtssprachen sind Italienisch und Französisch, was mit der Zugehörigkeit im 17. und 18. Jahrhundert zu Frankreich zusammen hängt.
Im 2. Weltkrieg galt das Aostatal als Zentrum des italienischen Widerstandes und erhielt dafür die goldene Tapferkeitsmedallie.

Unser erstes Ziel war die 1700 m hoch gelegene Hütte Monte Bianco in der Nähe von Courmayeur, die nur 5 km Luftlinie vom Mont Blanc entfernt liegt. In ihr verbrachten wir die ersten 4 Nächte und erlebten eine herzliche italienische Gastfreundschaft.


Am 18.07.2011 sollte unsere erste Bergtour bis 3024 m auf den Monte Cormet gehen. Bei gutem Wetter stiegen wir zum See Arpy auf. Steil setzt sich der Weg fort zum See Pietra Rossa auf 2553 m. Ohne Wegemarkierung im schwierigen Blockfeld mit Schneeflächen stiegen wir weiter hoch bis 2837 m zum Pass Cormet. Aus Zeitgründen brachen wir hier unsere Tour ab und gingen zurück. Ein schwerer "Eingehtag" mit 888 Höhenmetern (Hm) in abwechslungsreicher Hochgebirgslandschaft lag hinter uns.


Leider regnete es am 2. Tag, weshalb wir uns den ganzen Tag nur in zwei Hütten aufhalten konnten.


Am 3. Tag herrschte wieder Wanderwetter und unser Ziel war der Berg Tronche. Von dem im östlich von Courmayeur gelegenen Tal Sapin ging es auf engen Windungen im dichten Nadelwald hinauf zur Hütte Bertone. Nun folgte auf dem mit grünen Matten bedeckten Bergrücken ein leichter Panoramaweg (TMB = Tour du Mont Blanc) mit eindrucksvollen Blicken über das Tal Ferret hinweg auf den SO-Hang des Mont Blanc und darin zahlreiche herabführende Grate und Gletscher. Wir bestiegen den Berg Tronche, mit 2584 m der höchste Punkt dieser Tour und genossen die Hochgebirgsszenerie. Nach kurzer Mittagspause gingen wir auf dem gleichen Weg zurück, kehrten in der Hütte Bertone ein und erreichten schließlich wieder unseren Ausgangspunkt. Heute waren es 1195 Hm Auf- und Abstieg.


Am 4. Tag ging es zum See Miage auf 2020 m, einen Gletscherzungensee im Zehrgebiet des weit zurückgeschmolzenen Gletschers Miage. Die von der etwa 15 m hohen Gletscherkante immer wieder erfolgenden Eisstürze "kalben" in diesen See ab. Zwischen den langen Seitenmoränen sind vier Endmoränen erkennbar, die deutlich die wechselnden Gletschervorstöße erkennen lassen. Der einsetzende Regen wurde jedoch so stark, dass wir die Tour abbrechen mussten. Unser Tagesziel, das Biwak Estellette auf 2958 m am Petit Mont Blanc, erreichten wir wetterbedingt leider nicht.

Um den Nachmittag sinnvoll zu nutzen, fuhren wir zur Regional-Hauptstadt Aosta, die auf 580 m am Fluß Dora Baltea liegt. Der römische Kaiser Augustus ließ 25 v. Chr. das heutige Aosta als Augusta Praetoria erbauen. Nach 500-jähriger Herrschaft hinterließ das antike Rom bedeutende Bauwerke, die wir zusammen mit später erbauten Gebäuden bei einem Stadtrundgang besichtigten.


Am 5. Tag wechselten wir unseren Hüttenstandort und fuhren bis zum Ort Pont auf 1960 m Höhe, den Park- und Campingplatz der Besteiger des Gran Paradiso, einem "leichten 4000er". Mit Schlaf- und Berggepäck stiegen wir 3 h hinauf zur Hütte Vittorio Emanuele II auf 2732 m. Namensgeber der Hütte ist der berühmte italienische König gleichen Namens, der von 1820-1878 lebte. Die Bauform der Hütte erinnert an eine Luftschiffhalle. Sie verfügt über 104 Lager sowie 48 Notlager und ist ständig voll belegt.

Nachmittags stiegen wir im teilweise vergletscherten Tal Moncorve auf, um etwas Höhen- und Steigeisentraining zu machen. Wir bewunderten auf den Felsen der abgetauten Gletschersohle die Schrammen und stromlinienartigen Formen des ehemaligen Gletscherschliffes. Nach dem Probieren der Steigeisen kehrten wir bei 3200 m Höhe um. Unweit an der Schneegrenze bemerkten wir ein Rudel Steinböcke, die sich ohne Scheu vor uns dort aufhielten. Der Nationalpark Gran Paradiso wurde bereits 1922 gegründet, um die vom Aussterben bedrohten Alpensteinböcke zu retten, was auch gelang, wovon wir uns überzeugen konnten.


Am 6. Tag wurde es schon um 3 Uhr früh unruhig in unserer Herberge. Die Frühaufsteher, die zum Gran Paradiso aufsteigen und am selben Tag wieder zurück zum Parkplatz wollten, machten sich auf den Weg. Wir starteten um 6 Uhr ostwärts auf kaum findbaren Pfaden im steilen Blockfeld, z.T. neben einem abgeschmolzenen Gletschertal und erreichten nach 1,5 Stunden die Schneegrenze. Nun kamen Sicherheitsgurte, Steigeisen und das Gletscherseil zum Einsatz. Mit 8 Personen an einem Seil waren wir eine etwas zu große Seilschaft. Deshalb trennten sich Birgit, Dieter und Lutz von der Gruppe und bildeten eine eigene Seilschaft.

In unterschiedlich steilen und langen Windungen stiegen wir über den Gletscher auf. Da die Luft in dieser Höhe schon merklich dünner ist, wurde das Aufsteigen immer anstrengender. Greller Sonnenschein wechselte ständig mit Wolkennebel. Als wir den Gipfel bei 4061 m erreichten, herrschten etwa -5°C. Der Gipfel besteht aus einem Felsen mit ausgesetzten Kletterstellen, auf dessen höchster Stelle sich eine Madonna befindet. Wegen Massenandrang konnte nur ein Teil von uns bis an die Madonna gelangen. Nach einer halben Stunde traten wir den Rückweg an und folgten unseren Aufstiegsspuren. Unter den Steigeisen bildeten sich Schneeklumpen, die das Gehen erschwerten. Hochnebel und Schneefall schränkten unsere Sicht ein. Dennoch kamen wir wieder wohlbehalten in der Berghütte an.


Resumee

Das Wetter stand bei unserer Hochgebirgstour unter keinem guten Stern, aber uns erschloss sich eine vielgestaltige alpine Landschaft mit bewegenden Gletscherbildern, massiven Gletscherschmelzen und einzigartigen Fernblicken. Zufrieden und stolz, dass wir den 4061 m hohen Gran Paradiso geschafft hatten, fuhren wir nach Hause.