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Alpenüberquerung von Oberstdorf nach Meran - Wildspitze 3768 m

von Christel und Dieter Quast 1991


Dem östlich der Mauer lebenden Hochgebirgsliebhaber waren bis zu seinem Rentenalter die Alpen versperrt. Viele schöne Bergerlebnisse in den z.T. einmaligen Hochgebirgslandschaften Osteuropas, von der Tatra bis zum Kaukasus konnten den Wunsch, einmal die Alpen zu sehen, nicht ersetzen, vielleicht eher noch verstärken. So ist es auch verständlich, dass unsere erste große Alpen - Tour nach der " Wende" möglichst vielseitige Alpen - Eindrücke vermitteln sollte.
Dazu erschien uns diese Hochgebirgsquerung genau das Richtige zu sein. Jeder Tag setzte neue Höhepunkte, den Wechsel von den Kalkstein -Felsen der Allgäuer- und Lechtaler Alpen ins Kristallin, über die Gletscherfelder des Kaunergrates, den Cottbuser Höhenweg, den malerischen Riffelsee, die Gletscherwanderung durch die Ötztaler Alpen, von der Braunschweiger Hütte zur Breslauer Hütte und nicht zuletzt die Besteigung bekannter Gipfel, die am Wege liegen, wie Hochvogel, Wildspitze und Weißkugel.
Wir waren 12 Bergfreunde, die mit 2 Bergführern -Martin und Birgit- von der Alpin- und Bergwander-Schule Oberstdorf sich mit auf den Weg machten. Doch zuvor wurde die gesamte Ausrüstung einzeln überprüft, der Rucksack bis auf die nötigsten Dinge erleichtert; Steigstöcke wurden gekauft. Und dann ging's los : Martin "zieht" und Birgit "schiebt".
Der vielfarbigen Blütenpracht und - fülle auf den Kalkböden der weiten Almen folgt schon bald die erste Bewährungsprobe beim 500 m tiefen Abstieg vom Hochvogel (2594 m) auf den steilen Bruchfelsen des Bäumenheimer Weges. In Zamst werden die Anseilkombination und Leichtsteigeisen "zugeladen" und in der Verpeilhütte sorgfältig angepasst, ehe es über den vergletscherten Kaunergrat geht. Zuvor aber noch ein erfrischendes Bad in der Gletscherbadewanne.
An der Riffelsee-Hütte meinen wir, dass die romantischen oder auch einfachen Berghütten jeden Tag schöner werden. Aus dem Pitztal sind es rd. 1000 m Anstieg bis zur Braunschweiger Hütte, am Mittelbergferner gelegen. Die Materialbahn nimmt unsere Rucksäcke mit. Hier oben am Beginn der riesigen Eisfelder ist der rechte Platz für einen kleinen "Grundkurs Eis".

    Wir lernen u.a.:
  • Gehen mit Steigeisen im direkten Anstieg, traversieren und kehren, in Seilschaft und balancieren,
  • Abstieg im Gehen und im Springen,
  • Abseilen an 2 Eisschrauben mit Halbmastwurf,
  • Absturz im Firnschnee und Abfangen als "Spinne".
Am nächsten Tag folgt der schwierigste Abschnitt unserer Wanderung. Nach 4 - stündiger Gletschertour, teils über schwierige Eispassagen, Gletscherbruche, Spalten und hohe Stufen - Grönland lässt grüßen - erreichen wir den Fuß der Gipfelpyramide der Wildspitze. Hier richten wir ein Rucksacklager ein und steigen bei wolkenlosem Himmel und klirrendem Frost auf der steilen Gratwächte die letzten 200 m bis zum Gipfel (3770 m) hinauf. Ein erhebendes Gipfelerlebnis vor einem riesigen Eis - und Bergpanorama belohnt unsere Mühe.
Der Abstieg auf dem glatten Eis erfordert eine zuverlässige Seilsicherung an Eisschrauben. Wir verlieren viel Zeit und kommen so ins Gedränge mit anderen Seilschaften bei der 2 x 40 m Abseile aus dem Mitterkarjoch, von wo unser Weg hinab zu den Schafweiden im Rofental führt. Noch einmal geht es hinauf in die Gletscherregion zur Weisskugel (3739 m), ehe der lange Abstieg ins warme Etschtal bis zu unserem Zielort Meran folgt. Ein Bus bringt uns zurück nach Oberstdorf.

Bei unserer ersten Alpen - Tour haben wir viel erlebt und gelernt, unsere Begeisterung für die Alpenberge weiter angeregt, so dass noch viele Touren - im Sommer wie im Winter - folgten.